Produktideen finden…aber nach welchem Ansatz?

Lesedauer: ca.10 Min. – 
Autor: Nikolay Tchernev – 

Denke daran: Offenheit für neue Ansätze ist wichtig, um immer wieder innovative Produktideen zu finden!

Inhalt:

1. Marktfoschung
2. Anonymisierte Online-Daten
3. Kundenfeedback
4. Brainstorming
5. Trial-and-Error
6. KI (Künstliche Intelligenz)
7. Produktideen-Wettbewerb
8. Technologische Entwicklungen
9. Problemlösungen
10. Andere Branchen und Märkte

Wie du Produktideen findest: Eine Übersicht der gängigen Ansätze

Wenn du auf der Suche nach Ideen für neue Produkte oder Dienstleistungen bist, kann diese Tabelle eine Hilfestellung für dich sein. Es handelt sich dabei um gängige Ansätze zur Ideenfindung. Die Farbcodierung soll dir als Orientierung dienen, indem die Vorteile grün und die Nachteile rot markiert sind.

Ansätze, wie du Produktideen findest: die Vor- und Nachteile

Bevor ich die Vor- und Nachteile der gängigsten Ansätze zur Ideenfindung aufzähle, möchte ich zwei wichtige Faktoren hervorheben: Zeit und Geld. In der Praxis stellen diese oft die größten Hindernisse für jedes Unternehmen dar. Häufig fehlt uns die Zeit, um Ansätze „nach Lehrbuch“ umzusetzen, während andererseits das Budget oft zu knapp ist, um bewährte Maßnahmen zur „Produktideenfindung“ durchzuführen. Im schlimmsten Fall mangelt es an beidem.

Der dritte Faktor, „die Qualität der Produktideen“, vervollständigt das Bild. Im Idealfall, im sogenannten Sweetspot, hast du einen Ansatz, der: 

– überschaubare Kosten hat 
– nicht viel Zeit in Anspruch nimmt
– und qualitativ hochwertige Produktideen liefert.

Marktforschung: Der Klassiker

„Führe eine gründliche Marktanalyse durch, um Trends, Bedürfnisse und unerfüllte Kundenwünsche zu identifizieren. Untersuche den Markt, sprich mit potenziellen Kunden, analysiere Konkurrenzprodukte und beobachte Veränderungen in der Branche.“

Vorteile: Die Qualität der Produktideen bzw. Ideen für Dienstleistungen ist sehr gut. Dies lässt sich aus zwei Gründen erklären: Erstens basieren die Ideen auf großen, repräsentativen Stichproben im Rahmen von Umfragen und Meinungsforschung (wir sprechen nicht über eine handvoll Mitarbeiter, die eine Idee als spannend empfinden). Zweitens sind die befragten Personen relevant für deine Marke. Betrachte sie als potenzielle Kunden.

Nachteile: Treue des Mottos, realistisch und objektiv zu bleiben: Wer kann das allein bewältigen? Daher sprechen wir über eine Marktforschungsagentur. Allein die Suche nach einer Agentur und das Vergleichen der Angebote (mindestens drei sollten es sein) erfordert Zeit. Man sollte mindestens eine Woche dafür einplanen. Das ist Zeit, die benötigt wird. Doch was ist mit dem Faktor Geld? Wir müssen eine gründliche Marktanalyse durchführen, idealerweise mit Unterstützung eines Marktforschers oder einer Marktforschungsagentur. Die Kosten belaufen sich auf 4000 €, wie von intotheminds.com empfohlen. Wir müssen Interviews mit potenziellen Kunden führen, wobei qualitative Face-to-Face-Interviews etwa 500 € pro Interview kosten. Alternativ können wir auch eine Fokusgruppe in Erwägung ziehen, wobei die Kosten zwischen 4000 € und 5000 € liegen. 

Return on Investment (ROI): Letztendlich sollte das neue Produkt oder die neue Dienstleistung auch einen Gewinn generieren. Wenn die anfänglichen Investitionen in die Produktentwicklung zu hoch waren und die Verkaufszahlen hingegen moderat ausfallen, könnte es schwierig werden, den gewünschten ROI zu erreichen. Dasselbe gilt auch für investierte Mitarbeiterzeit, was am Ende des Tages ebenfalls eine finanzielle Investition darstellt – Stichwort Gehälter.

Anonymisierte Online-Daten: Der Innovator unter den Ansätzen

„Nutze Plattformen (und deren Datenbanken) wie Google, YouTube, Bing, Amazon, eBay, Apple und Google Stores, um Folgendes zu tun: 
1. Recherchiere nach relevanten Themen für deine Marke/Produktlinie.
2. Sammle eine Vielzahl von Produktideen.
3. Bewerte die neuen Ideen und wähle die stärksten davon aus. Siehe Beispiel: neue Produkte auf dem Markt.“ 

Vorteile: Aggregierte, anonymisierte Online-Daten von Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen sind die Grundlage für diesen Ansatz. Einige Datenbanken verzeichnen mehr als 7 Milliarden Ergebnisse! Mit so vielen Daten kannst du Methoden wie Marktforschung, Brainstorming, Beobachtung anderer Branchen und Märkte, technologische Entwicklungen, Problemlösung und Zukunftsvisionen zum größten Teil abdecken. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Online-Daten kontinuierlich verfügbar sind und IT-Giganten wie Google darauf spezialisiert sind, stets auf dem neuesten Stand zu sein. Dadurch erhältst du brauchbare Ideengewinnung deutlich schneller im Vergleich zur klassischen Marktforschung.

Nachteile: Kundennähe und Kundenfeedback können mit diesem Ansatz nicht abgedeckt werden. Manchmal entdeckt man die besten Produktideen gerade durch den Austausch mit den eigenen Kunden. Mein Tipp: Sobald du Kundenfeedback erhältst, kannst du die gewonnenen Produktideen mithilfe dieses Ansatzes einfach auf ihr Potenzial überprüfen. Stichwort: Ideenbewertung – der zweite wichtige Schritt im Innovationsprozess.

Wichtig: ein umfangreiches eigenes Fachwissen ist ein Muss! Das bedeutet, dass du gängige Online-Tools (und deren Tücken) sehr gut beherrschen solltest. Halbwissen ist bekanntermaßen gefährlich. Wenn du dich nur auf eine Metrik oder eine Plattform als Ideengeber verlässt, kann das im Nachhinein zu kurz gedacht sein. Zum Beispiel könnte Google Trends 100 Punkte zu einer Produktidee anzeigen, was darauf hindeutet, dass die Idee sehr gut ist. 100 Punkte ist das Maximum auf der Google Trends Skala. Um diese Aussage zu validieren, benötigst du jedoch eine Vielzahl von Metriken, die bei Google Trends gar nicht enthalten sind. Mein Tipp: Die Produkt-Prognosen von Produkt Launcher. Dieser berücksichtigt eine Vielzahl an Metriken, und du sparst richtig Zeit.

Kundenfeedback: Das A und O

„Höre auf das Feedback von Kunden zu deinen bestehenden Produkten oder Services. Identifiziere mögliche Verbesserungsbereiche oder Ergänzungen, die zu einem erweiterten Angebot führen könnten.“

Vorteile: Kundenfeedback kann dazu beitragen, innovative Ideen zu generieren, die auf den tatsächlichen Bedürfnissen und Herausforderungen deiner Kunden basieren. Durch deine Einbeziehung von Kunden in den Innovationsprozess kannst du sicherstellen, dass neue Produkte oder Dienstleistungen einen echten Mehrwert bieten. Das Ganze erfordert keine (oder relativ geringe) Investitionen.  Ein weiterer Vorteil: Indem du auf das Feedback deiner Kunden eingehst und ihre Anliegen ernst nimmst, zeigst du Wertschätzung für ihre Meinungen und Bedürfnisse. Dies kann dazu beitragen, eine starke Kundenbeziehung aufzubauen und die Kundenbindung zu stärken.

Nachteile: Der Zeitfaktor spielt hier eine entscheidende Rolle. Um genügend qualitative Kundenaussagen nach einem bestimmten Frageschema zu sammeln, ist Zeit erforderlich. Dies bedeutet, dass einzelne Kunden befragt werden müssen.  Dies kann telefonisch oder in Form einer Online-Umfrage (z.B. mit Qualtrics) erfolgen. Beides erfordert Zeit – sowohl für die Datensammlung als auch für die Auswertung. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die endgültigen Ideen repräsentativ sind. Eine repräsentative Befragung bedeutet, dass man aus einer kleinen Gruppe von Menschen Schlüsse auf eine viel größere Gruppe ziehen kann. Es wäre zu riskant, einfach eine Produktidee auf der Grundlage einer einzelnen Kundenaussage zu definieren. Die Größe der Nachfrage muss gegeben sein, ansonsten droht später ein Produktflop.

Brainstorming: Produktideen finden mit Spaßfaktor

„Organisiere kreative Brainstorming-Sitzungen mit deinem Team oder anderen kreativen Köpfen. Lasse alle Ideen frei fließen, ohne Einschränkungen oder Kritik. Durch das Zusammenspiel verschiedener Denkweisen können durchaus innovative Produktideen gefunden werden.“

Vorteile: Wenn es darum geht, originelle und gewagte Produktideen zu finden, ist dieser Ansatz definitiv einen Versuch wert. Es gibt zwei große Vorteile dabei: die geringen Kosten und die interne Abwicklung mit Kollegen aus dem eigenen Unternehmen. Man verzichtet sozusagen auf große Investitionen für Marktforschungsagenturen. Das bedeutet, falls eine Produktidee zu einem Produktlaunch führt und sich das Produkt oder die Dienstleistung erfolgreich etabliert, ist der Return on Investment umso höher.

Zusätzlich trägst du dazu bei, die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Kollegen in deinem Unternehmen zu fördern. Relevante Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen kommen in internen Meetings zusammen und tauschen Ideen und Visionen aus. Ein Moderator, der passende Fragen stellt und alle Vorschläge dokumentiert, muss vorhanden sein. Wichtig dabei ist, dass keine direkte Bewertung der Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen stattfindet, da dies die entspannte Atmosphäre eines Brainstormings ruinieren kann. Die Bewertung von Produktideen erfolgt erst in der zweiten Phase des Innovationsprozesses.

Nachteile: Ein Nachteil dieses Ansatzes besteht darin, dass Zeit für die gesamte Organisation benötigt wird. Zuerst müssen relevante Kollegen aus verschiedenen Abteilungen ausgewählt und gewonnen werden. Dies erfordert auch Absprachen mit der Unternehmens- und Abteilungsleitung. Es muss auch Zeit für die Meetings selbst eingeplant werden. Sowohl der Moderator als auch die eingeladenen Kollegen benötigen freie Zeitfenster, um teilnehmen zu können. 

Es ist fair zu sagen, dass die neuen Ideen für Produkte und Dienstleistungen aus solchen Brainstorming-Meetings manchmal sehr fantasievoll sein können. Da der Fantasie keine Grenzen gesetzt wurden, können einige Produktideen daher auch ziemlich weg von den echten Problemen und Bedürfnissen der Zielgruppe sein.

Trial-and-Error: Auf gut Glück

Ignoriere einfach das Wissen aus den Marketing- und Produktmanagementbüchern und bring dein Produkt oder deine Dienstleistung einfach auf den Markt. 

Vorteile: Durch diese Methode sparst du dir zusätzliche Kosten und Zeit, die bei der Ideenfindung und -bewertung anfallen. Das sind die ersten beiden Phasen im Innovationsprozess. Das klingt zunächst großartig.

Nachteile: Ob das Produkt oder deine neue Dienstleistung jedoch erfolgreich sein wird, steht auf einem anderen Blatt namens „Zufall‘. Manche bezeichnen diesen Ansatz als „Versuch und Irrtum“ oder die „Trial-and-Error‘-Methode“. Es gibt nichts weiter hinzuzufügen.

KI (Künstliche Intelligenz): Nicht alles, was glänzt, ist Gold

Alles, was du brauchst, ist ein Prompt. Zum Beispiel: „Zeig mir die Top 10 Produktideen zum Thema Elektrizität“. Fertig!

Vorteile: Der Gedanke ist nicht verkehrt und heutzutage sehr verbreitet. Was die Dauer und Kosten dieses Ansatzes betrifft – unschlagbar. Wie im oben genannten Beispiel erhältst du direkt die Top 10 Produktideen zu einem beliebigen Thema aus deinem Produktportfolio. Das Ganze dauert weniger als eine Minute. Wenn man ein kostenloses KI-Tool wie ChatGPT 3.5 dafür einsetzt, ist die Liste mit den Produktideen sogar „for free“. Ein Traum! Die Frage an dieser Stelle lautet: Wo ist der Haken?

Nachteile: Doch bekanntlich ist nicht alles, was glänzt, Gold. In diesem Sinne stößt man hier auf Grenzen. Ja, es entsteht der Eindruck, dass KI (Beispiel: chatGPT) in Bezug auf „Produktideen finden“ gute Arbeit leistet. Das Problem dabei:

  • Brandaktuelle Probleme und Trends werden nicht oder nur bedingt berücksichtigt (eine Voraussetzung für den Erfolg).
  • Die neuen Produktideen werden nicht nach ihrem Potenzial sortiert (eine Voraussetzung für den Erfolg), da diverse Online-Daten aus verschiedenen Kanälen fehlen – Stichwort: „verschiedene Ökosysteme“.
  • chatGPT und andere auf LLM basierende Tools sind öffentlich und für jeden zugänglich. Ergo erhält jeder dieselben Ideen für neue Produkte oder Dienstleistungen. Das heißt, Technologievorsprung oder Wettbewerbsvorteile (eine Voraussetzung für den Erfolg) spielen hier kaum eine Rolle.

Produktideen-Wettbewerb: Produktideen finden, mal anders

„Einen großen Produktideen-Wettbewerb ausrufen, sich gedulden und voilà! Produktideen finden wirklich mal anders.

Vorteile: Die Qualität der Produktideen ist der größte Vorteil dieses Ansatzes. Warum? Weil die Ideen entweder von den eigenen Kunden oder Mitarbeitern stammen, die über ein tiefes Verständnis der Produkte verfügen, oder von Studenten, die für ihre Innovationsfähigkeiten bekannt sind. Veloplus.ch ist ein konkretes Beispiel dafür. Je größer die Anzahl der relevanten Bewerber ist, desto mehr Produktideen für dein Unternehmen wirst du finden. Es haben sich drei Arten von Wettbewerben etabliert:

1. Extern: Dabei übernimmt eine Agentur die Organisation für dich. Universitäten und Hochschulen mit relevanten Studiengängen werden landesweit angesprochen.

2. Intern: Dabei spricht man alle vorhandenen Kunden an. Ähnlich wie beim Kundenfeedback-Ansatz erhält man sehr brauchbare Ideen für neue Produkte. Der Unterschied besteht darin, dass die Kunden in diesem Fall nicht einzeln befragt werden, sondern freiwillig teilnehmen. Dafür müssen ein oder mehrere attraktive Preise klar kommuniziert werden.

3. Intern: eigene Mitarbeiter befragen: ähnlich wie beim oben genannten Punkt spricht man in diesem Fall die eigenen Mitarbeiter, die großes Produkt Know-how haben.

Nachteile: Zeit und Geld bestimmen oft deine Wahl eines Ansatzes. Produktideen-Wettbewerbe erfordern Zeit, sowohl auf der Bewerberseite (ein Wettbewerb kann unter Umständen ein halbes Jahr dauern) als auch auf deiner Seite (Kommunikation, Moderation, Auswertung und Bewertung der Produktideen). Bei der externen Lösung mit einer Agentur wird dein Aufwand zwar deutlich verringert, aber die Dauer des Wettbewerbs bleibt bestehen. Dazu kommen auch die Kosten für die Agentur. Das letzte Angebot, das ich für einen solchen Wettbewerb gesehen habe, lag bei 20.000 Euro! Denke auch daran, attraktive Preise für die Gewinner anzubieten. Die rechtlichen Aspekte bezüglich der Produktideen (Stichwort Eigentumsrechte) sollten ebenfalls klar kommuniziert werden.

Technologische Entwicklungen: Leichter gesagt als getan

„Halte dich über aktuelle technologische Entwicklungen auf dem Laufenden und überlege, wie diese in deine Branche oder dein Produkt integriert werden könnten.“

Vorteile: Zugegeben, dieser Ansatz wirkt ohne konkrete Beispiele nicht greifbar. Die Drohnen-Technologie im Alltag (nicht zu verwechseln mit Drohnen als Spielzeug) ist sehr neu. Basierend auf dieser Technologie plant Amazon, einen Drohnenservice namens „Prime Air“ gegen Ende 2024 in Italien und Großbritannien für Warenlieferungen anzubieten. Drohnen sollen Ware direkt an Kunden ausliefern! In diesem Beispiel hat das bekannte US-Unternehmen eine neue Dienstleistung entwickelt, die auf einer neuen Technologie basiert. Der große Vorteil dabei: Die Kosten für diese Art von Produktideen (wie im Amazon-Beispiel) sind sehr überschaubar. Da die Produktidee mit der neuen Technologie einhergeht, ist es nur eine Frage der Interpretation, wie man eine neue Technologie in Form von neuen Produkten oder Dienstleistungen in das Unternehmen integriert.

Hinweis: PWC hat eine Top-8-Liste der neuen Technologien aufgestellt. Dies ist ein guter Ausgangspunkt für diesen Ansatz.

Nachteile: Die Dauer dieses Ansatzes! Du bist auf diese technologischen Entwicklungen angewiesen. Das bedeutet, dass die Produktidee erst entstehen kann, wenn die neue Technologie sich etabliert hat. Um beim Beispiel von Amazon zu bleiben: Es gibt eine Reihe von rechtlichen und praktischen Hürden zu überwinden, um diese Technologie alltagstauglich zu machen. Viele Test- und Pilotprojekte müssen durchgeführt werden, bevor diese neue Technologie in Bezug auf Gesetzgebung und Sicherheit ‚wasserdicht‘ ist… und das kann Jahre dauern.

Problemlösungen: Der natürlichste Ansatz der Welt

„Identifiziere Probleme oder Herausforderungen, mit denen Menschen konfrontiert sind, und denke darüber nach, wie du diese lösen könntest. Produkte, die Probleme effektiv lösen oder Bedürfnisse erfüllen, haben oft gute Erfolgschancen.“

Vorteile: Ganz einfach: Die Kosten für solche Produktideen halten sich in Grenzen, und ihre Qualität ist hervorragend. Je nach Branche sind die Pain Points ziemlich bekannt. Problem XY muss gelöst werden! Darauf basieren diese Art von Produktideen. Es gibt nie eine 100% Garantie, dass diese Ideen später als Produkte erfolgreich werden. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch relativ hoch, da die Zielgruppe eine Lösung des Problems begrüßen würde. Zum Beispiel: Radfahrer wissen nicht, wann die Bremsbeläge bei Scheibenbremsen ersetzt werden sollten. Ein reales Problem, dem sich das Unternehmen Veloplus annehmen wird und möglicherweise ein Produkt dazu entwickelt. Eine einfache Ideenfindung mit Potenzial zum Erfolg.

Nachteile: Die Dauer dieses Ansatzes muss ebenfalls erwähnt werden. Probleme oder Herausforderungen der Zielgruppe zu finden, ist keine schnelle Angelegenheit. Firmenbesuche, Interviews, Befragungen – all das gehört dazu. Nicht zu vergessen: Es wäre zu riskant, einfach eine Produktidee auf der Grundlage einer einzelnen Aussage zu definieren. Du benötigst also auch ausreichend Übereinstimmung in den Aussagen (Stichwort: repräsentativ).

Andere Branchen und Märkte: Das Rad nicht neu erfinden

„Schau über den Tellerrand hinaus und betrachte auch andere Branchen und Märkte. Manchmal können Ideen und Konzepte aus anderen Bereichen für dein Unternehmen angewendet oder angepasst werden.“

Vorteile: Ideenfindung über diesen Ansatz spart dir hohe Kosten (z.B. für eine Marktforschungsagentur). Du wirst fast immer spannende Vorschläge für neue Produktideen oder Dienstleistungen finden. Das Gute daran: Diese Ideen haben sich bereits auf dem Markt bewährt und sind nicht komplett neu für deine Kunden. Zum Beispiel: Die Nespresso-Kaffeemaschinen (aus der Lebensmittelindustrie) und Epson Tintenstrahldrucker (aus der Elektronikindustrie). Der Großteil des Umsatzes wird nicht mit den jeweiligen Geräten generiert, sondern mit den Kaffeekapseln bzw. den Tintenpatronen. Allein Nestlé verkauft jährlich zehn Milliarden Nespresso-Kapseln, laut Luzernerzeitung

Die beiden Konzerne, Nestlé und Epson, stammen zwar aus unterschiedlichen Branchen, aber das Prinzip ihrer Produktidee ist identisch. In beiden Fällen müssen Kunden „Nachfüllmaterial“ kaufen, um die Hardware nutzen zu können. Wer von wem inspiriert wurde, ist in diesem Beispiel/Ansatz zweitrangig.

Nachteile: Mit diesem Ansatz, Ideen für neue Produkte bzw. Dienstleistungen zu finden, erfordert Zeit. Definitiv! Auf der einen Seite brauchst du Zeit, um verschiedene Branchen oder Märkte zu studieren und zu analysieren. Auf der anderen Seite benötigst du Zeit, um die gewonnenen Ideen für deine Branche oder dein Produktportfolio zu „übersetzen“. Das bedeutet, in dem Beispiel Kaffeemaschine vs. Tintenstrahldrucker musst du zuerst auf die Idee kommen, dass das Nachfüllprinzip mit kompakten Einheiten (Kaffeekapseln, Tintenpatronen) übertragbar ist. Stichwort: intellektuelle Arbeit, auch bekannt als Gehirnschmalz.

Fazit

Letztendlich hängt der Erfolg deines neuen Produkts oder deiner Dienstleistung stark davon ab, ob dein Ansatz zur Produktideenfindung der richtige war. Eine Vielzahl von Produkten wird auf dem Markt eingeführt, die oft nicht den individuellen Anforderungen der Kunden an Innovation und Nutzen gerecht werden. Die Rede ist von Flops!

Mein Tipp: Eine kontinuierliche Innovationskultur und Offenheit für neue Ansätze sind entscheidend. Die digitale Welt entwickelt sich rasant. Es entstehen laufend neue Methoden zur Ideengewinnung, die vor 15 Jahren noch nicht existierten. Es ist ratsam, ein Early Adopter zu sein, anstatt hinterherzuhinken, denn der Wettbewerb ruht bekanntlich nicht.

Völlig egal, welchen Weg du zur Ideenfindung wählst, behalte diese drei Faktoren immer im Auge:

  1. – Dauer des Ansatzes – Duration of the Approach
  2. – Kosten, die damit verbunden sind – Associated Costs
  3. – Qualität der Produktideen – Quality of the Product Ideas
 
Danach folgt die Entscheidung, ob du dies extern (über eine Agentur oder einen Service) oder intern (selbst oder mit eigenen Mitarbeitern) durchführst.